Wednesday, August 09, 2006

Turn around und Mad Dog

Eine intensive Phase geht weiter. Nach einer harten Woche in der Institutsbibliothek gab es am Wochenende Einiges zu feiern. Evelyne, eine Französin, hatte Geburtstag und uns dazu am Freitag eingeladen. In mehreren Sprachen haben wir ihr Ständchen gesungen. Als gegen Mitternacht die Polizei zu unserer Party dazustieß, ging es weiter in die Stadt, natürlich ins Lubudubu, für einige bis zum Morgengrauen, für andere bis zum späten Vormittag. Das passiert, wenn man in der Straßenbahn einschläft und stundenlang die Stadt auf und ab fährt... Das scheint ein Klassiker geworden zu sein. Immerhin lernt man so Außenbezirke der Stadt kennen, wo man sonst nie hingehen würde. Wozu braucht man eigentlich eine Wohnung, wenn man ein Monatsticket für die Straßenbahn hat?!

Am Samstag war Karaoke angesagt. Eine Legende, wie Sanne und Wolfgang Back Street Boys sangen. Und ein holländischer Freund von Sanne und ich waren Ken und Barbie. Der Abend ging viel zu schnell vorbei und als wir – wiedermal die letzten Gäste – auf der Straße standen und uns überlegten, in welche Richtung wir gehen, wo wir frühstücken und dabei „turn around“ trällerten, wurden wir jäh unterbrochen durch einen kräftigen, wohlgezielten Wassererguss. Ein Anwohner aus dem zweiten Stock fand unsere morgendlichen Beratungen wohl nicht sehr lustig. Naja, we got the message und machten uns, teilweise ziemlich nass, auf den Weg, in verschiedene Richtungen.

Der Anlass für das sonntägliche Feiern war, ist und bleibt traurig. Sanne, einer meiner Lieblingsholländer, verlässt Krakau und es war sein letzter Abend. Krakau wird – für mich zumindest – an Qualität verlieren, wenn Sanne weg ist. Wir werden dich vermissen, Masterf*****! Unser eigentlich sehr internationaler Tisch im Alchemia, einer urigen Kneipe in Kazimierz, wurde emotional. Es gab mad dogs, oder verrückte Hunde, Polens Nationalgetränk (Rezept auf Wunsch erhältlich: Anfrage per E-Mail). Nebenbei haben wir fast alle versucht, Holländisch zu lernen. Es gibt einen Laut zwischen „eu“ und „au“, der unglaublich schwer aussprechbar ist. Übrigens wäre jetzt ein guter Zeitpunkt, Holland zu besuchen, denn die meisten Einwohner befinden sich wahrscheinlich im Moment in Krakau – oder Budapest.
Nun geht das Leben in der Instituts-Lounge weiter. Der Arbeit fehlt es noch an Form, aber sie wächst.

Danke für die Aufmerksamkeit!
Verena "Turn Around" Schulze

Thursday, August 03, 2006

Wann regnet es?

Der August ist da. Leider weiß ich nicht mal mehr, was das auf Polnisch heißt. Naja, wirklich hab ich es auch nicht gewusst. Polnisch wird erst wieder gelernt, wenn die Arbeit fertig ist.

Krakau hat eine Unzahl seiner Zebrastreifen neu gemalt. Nevertheless, es hilft nix. Die Polen wissen trotzdem nicht, wozu Zebrastreifen da sind. Zebrastreifen werden von allen Auto fahrenden Wesen in diesem Land scheinbar schon aus Prinzip ignoriert.

Und wenn ich schon bei so weltbewegenden Nachrichten bin: Birgits Pflanze, die sie im April zum Geburtstag bekommen hat, lebt noch. Das ist ein Wunder, und zwar ein gesalzenes: Birgit ernährt ihre Pflanze nämlich mit Kontaktlinsenpflegemittel – ja, das ist kein Witz. Lang soll sie leben! Reinhard arbeitet fast ununterbrochen an seiner Masterthese. Ohne Fleiß kein Preis. Wolfgang, der seine Arbeit inzwischen gedruckt und gebunden hat (herzlichen Glückwunsch!), macht die Straßen Krakaus und Umgebung mit seinem silbernen zweirädrigen Flitzer unsicher. Hmmm, und ich? Ich lese, ich schreibe und ich warte. Auf was? Gute Frage, vielleicht darauf, dass ausgeklügelte Demokratisierungstheorien vom Himmel fallen, und dass es tolle – natürlich akademisch wertvolle – Einfälle regnet. Und vollbeschriebene Seiten. Also dann, ich warte mal weiter, und schreibe nebenher, für alle Fälle.

Tuesday, August 01, 2006

Die Zeit rennt...

Es ist vorbei. Wir haben unseren dreiwöchigen Polnischkurs überlebt. Jetzt sind wir der Erschöpfung nahe. Morgens früh aufstehen, durch die Stadt fahren, vier Stunden Polnisch, zurück zum Studentenheim zum Mittagessen. Ja und dann hätte man sich eigentlich an die These setzen sollen. Aber das war des Öfteren Theorie als Praxis. Das frühe Aufstehen und späte Zubettgehen sowie die drückende Hitze, das Hin- und Herfahren hat uns jegliche Energie geraubt. Manchen Nachmittag wollten wir dem mit einem Mittagschläfchen – oder Power Nap – entgegenwirken. Aber erfolgreich war das auch nicht. Jetzt haben Birgit und ich drei Wochen lang halbe Sachen gemacht: wir hatten jeweils zwei halbe Zimmer, zwei Jobs, die wir auch nur halb machen konnten. Während Birgits Tandempartnerin sich nach nur kurzer Zeit als ultimative Klette und Nervensäge entpuppt hat, war meine polnische Zimmergenossin sehr angenehm und hat mir mein Fernbleiben am Rahmenprogramm nicht übel genommen. Weder fürs Polnischlernen haben wir uns genügend Zeit nehmen können, noch fürs Arbeitschreiben. Beides ging eher schleppend voran. Langsam, aber hoffentlich sicher. Die Früchte dieser anstrengenden Zeit sind noch nicht reif zum Ernten, aber vielleicht kommt das noch... Ich zitiere Birgit beim Lernen für die Polnisch-Abschlussprüfung: „Des is gschissn, die Wörter kommen irgendwo daher...“ Und recht hat sie. Wie kann man sich merken, dass styczen Januar heißt, es jetzt lipiel ist und ich im lurzesien Geburtstag habe. Nie wiem nic. Es gibt so viele Wörter, die absolut nix mit mir bekannten Sprachen zu tun haben, und wo man sich keine Eselsbrücke bauen kann, whatsoever. Naja, aber immerhin habe ich in der Abschlussprüfung gar nicht mal schlecht dagestanden – und habe ein wunderschönes Zertifikat für meine Mühen bekommen, was ich mir übers Bett hängen könnte.

Inzwischen waren noch zwei Abschiedsparties von Freunden, die wir hier in den letzten Monaten kennen und mögen gelernt haben. Es ist schade, dass mit der Zeit jeder nacheinander geht, aber das ist das Schicksal internationaler Studenten. Es war toll, euch alle kennen gelernt zu haben. Die Zeit war schön. Adios liebe Magda, Laura und Svea! Wir werden euch vermissen! Ach, und herzlichen Glückwunsch zu eurem Master!

Die gute Nachricht ist, dass wir seit kurzem eine Waschmaschine haben, was die Hygiene enorm erleichtert. Ach ja, und letzte Woche haben wir die Filharmonia besucht, das Konzerthaus hier in Krakau. Auf dem Programm stand Nigel Kennedy, ein Geiger, der mit einer Band und seiner coolen E-Geige die Wände und Menschen zum Schwanken gebracht hat – sehr beeindruckend. Eine noch bessere Nachricht ist, dass meine liebe Freundin Pia, die sich in den letzten Jahren im Süden Englands rumgethumelt hat, mich hier im Moment besucht. Die Stadt scheint ihr zu gefallen. Natürlich hat sie auch schon die Kneipen, Karaoke-Bars und Kitsch bei einigen deutsch-holländischen Treffen kennen gelernt – und Tatanka.

In der nächsten Zeit heißt es nur noch lesen und schreiben. Und dann hoffentlich Früchte ernten! Immerhin habe ich heute in aller Herrgottsfrühe das Institut betreten, sogar bevor die Bibliothek offen hatte. Wer mich kennt, ist jetzt beeindruckt. Vielleicht sollte ich nicht dazu sagen, dass sie erst um 10 aufmacht. Oops, I said it. Danke für die Aufmerksamkeit.

Thursday, July 13, 2006

Ungewollte Abenteuer und unerwünschte Eindringlinge

Inzwischen ist mein Leben in Krakau ziemlich turbulent geworden. Innerhalb von zwei Tagen habe ich drei Erlebnisse gehabt, die mich beinahe aus der Fassung brachten. Aber fange ich von vorne an.

Birgit und ich wollten dieses Land nicht verlassen, ohne der Landesprache einigermaßen mächtig zu werden, also dachten wir, motiviert wie wir vor einigen Monaten waren, als wir uns bewarben: Uczymy sie polskiego (wir lernen Polnisch). Dass das jetzt eigentlich nicht in den Plan passt, ist eine andere Sache. Seit Montag also nehmen wir an einem full-time Sommerkolleg in Krakau teil. Es ist alles inklusive: Sprachkurs am Vormittag, Vorlesungen und Ausflüge am Nachmittag, Verkehrsticket, drei Mahlzeiten pro Tag sowie Unterkunft in einem Studentenwohnheim: drei Wochen lang. Das ganze ist ein Projekt von der österreichischen (burgenländischen) Wirtschaftsfachhochschule und der aus Krakau, und wird größtenteils gesponsert. Es nehmen 25 österreichische (naja 24 und ich) Studierende teil und 25 polnische. Jetzt wohne ich also im Studentenheim und teile ein Zimmer mit einer netten Polin (habe nun zwei halbe Zimmer!!) Klingt gut, wenn da nicht die Masterarbeit wäre...

Am Dienstag gab es die erste Pause. Laura hat uns in Krakau Verbliebene eingeladen, mit ihr in den Geburtstag reinzufeiern. Weil das Wetter so schön war und man Freundschaften pflegen muss (und darf), waren wir vor der Party im Park mit einer Wodkaflasche und Saft und genossen den warmen Abend (es hat jetzt täglich über 30 Grad, fast unerträglich, wenn man ständig unterwegs ist). Was ich aber nicht wusste, ist, dass man in Polen nicht in der Öffentlichkeit Alkohol trinken darf (es ist doch erfreulich, dass ich vier Monate in Polen verbracht habe, ohne von dieser Regel zu erfahren; man sieht: ich bin zum Studieren hier!) und das habe ich am Dienstag gelernt. Die Polizei kam auf uns zugeschlendert und wollte uns für diese Untat mit einer Geldstrafe bezüchtigen. Während ich die Situation, in die ich geraten war, komisch und unglaublich fand und mein Lachen nicht verbergen konnte, beteuerte die Polizistin, dass sie Polizistin sei und dazu verpflichtet, mir 100 Zloty abzunehmen. Mit knapper Not, knappem Polnisch unsererseits und knappem Englisch ihrerseits konnten wir sie und ihren Kollegen von unserer eigentlichen Unschuld und Anständigkeit, unserem Unwissen und guten Willen letztendlich überzeugen. Warum sucht die Polizei nicht echte Kriminelle, sondern schlendert durch den Park und verdirbt uns den unschuldigen Spaß? Eigentlich war es lustig (besonders rückblickend), vor allem, weil wir grad noch mal damit davongekommen sind.
Bei Laura haben wir richtig schön Geburtstag gefeiert, so mit Singen, Kerzen und Kuchen (naja, Eis), das war sehr nett.

Weniger nett ist, dass es hier um 7 Uhr Frühstück gibt! Den folgenden Vormittag habe ich trotz wenig Schlaf überstanden, und als ich mich nach dem Mittagessen auf ein Nickerchen ins Zimmer schleichen wollte, wartete eine unschöne Überraschung. Da wir am Morgen vergessen hatten, das Fenster zu schließen, waren im Zimmer zwei Tauben, wie es aussah schon eine ganze Weile, und machten sich über das Essen meiner Mitbewohnerin her, das in ihrem Regal lag. Auf dem Boden, auf dem Tisch, im Regal, ja sogar auf ihrem Bett klebte Taubenkot. Zum Glück kam gleich ein Reinigungsherr und machte sauber.

Der Lesende glaubt nun, that this is a pretty bad story. Aber es kommt schlimmer. Abends lag ich todmüde im Bett und da meine Mitbewohnerin ausging, ließ ich die Tür unabgeschlossen – ein großer Fehler, wie sich herausstellte. Ich bin eingeschlafen und plötzlich aufgewacht: Das Licht brannte und ein fremder Mann stand neben mir. Ich wusste nicht, wie mir geschieht. Erst dachte ich, er sei ein Freund von meiner Mitbewohnerin oder es könnte schon Morgen sein und er ein Elektriker oder so. Aber nach einigen Momenten dämmerte es mir: Es war ein Uhr nachts und ein betrunkener Mann hat sich in mein Zimmer verirrt und wollte nicht mehr gehen. Der Schreck war groß und nach mehrmaliger Aufforderung, mein Zimmer augenblicklich zu verlassen, wuchs die Angst. Er versperrte mir den Weg, sodass ich selbst nicht aus der Drachenhöhle raus konnte. Panisch rief ich Birgit an, die mich Gott sei Dank rettete, indem sie kaum einen Moment später die Tür öffnete (ihr Zimmer liegt gegenüber) und den durch ihr Erscheinen verwirrten Eindringling aus meinem Zimmer zitierte. Scheinbar war er auch in Zimmern von anderen Bewohnern aufgetaucht. Er wurde an der Rezeption gemeldet, gefunden, identifiziert und sollte rausgeschmissen worden sein. Die Situation war brenzlig, ich stand da – vor Schreck ganz aufgelöst, aber ich habe eine Lektion gelernt: Schließe immer Türen ab! Und wenn man Fenster auch schließt, ist man sogar vor Tauben sicher!

Monday, July 10, 2006

Tantenglück
Ich bin zum zweiten Mal Tante geworden!! Gestern, am 9. Juli 2006, ist mein neuer Neffe Philip geboren; meine Freude ist unbeschreiblich. Natürlich hat er gleich den Titel des Weltmeisters verpasst gekriegt (dabei hätte den natürlich meine Schwester verdient). Ich gratuliere meiner Schwester Lisa und Peter und der kleinen Pia aufs allerherzlichste! Meine Gedanken und guten Wünsche sind bei euch! Blöd nur, dass jetzt mein intensiver Polnischkurs begonnen hat, der mich hier drei Wochen festhalten wird, denn jetzt möchte ich unbedingt nach Telgte fahren, um das Baby zu bestaunen.


Zeit, dass sich was dreht
So singt es der deutsche Rockbarde Grönemeyer. Aber es hat sich einiges gedreht, wie mein kleines anthropologisches Auge mit Erstaunen festgestellt hat. Bin ich doch in meinem kleinen schwäbischen Dorf so aufgewachsen, immer alle Leute schön mit „Grüß Gott“ zu grüßen, oder „N’Obed“ (übersetzt: einen Abend, oder guten Abend?). Jetzt laufe ich durchs heimatliche Dorf und bevor ich den Mund aufmache, werde ich von unbekannten (oder zumindest muss ich ihnen unbekannt erscheinen) alten Mütterchen mit einem freundlichen und freudigen „hallo“ gegrüßt. Das war noch vor ein paar Jahren tabu, genauso, wie man in Österreich bis vor kurzem immer nur „auf Wiedersehen“, oder „baba“ gesagt hat, jetzt aber überall „tschüss“ hört.

Zurück in Krakau hat schon Besuch auf mich gewartet: Ute und Sonja. Ute ist eine ich denke ich darf Freundin sagen aus meiner Erasmuszeit in Wien. Die Stadt haben sie sich alleine angeschaut, da ich mich ja an die Masterarbeit setzten muss, aber das Nachtleben habe ich ihnen gezeigt; wir hatten ein paar unterhaltsame Abende! Leider war ihr Aufenthalt in Krakau zu kurz.

Inzwischen ist die Weltmeisterschaft vorbei. In der internationalen Presse ist von „Fußballfest“ die Rede und „die beste WM mit dem schlechtesten Fußball“. Dass Deutschland aus der Weltmeisterschaft ausgeschieden ist, hat hier kaum Trauer ausgelöst. Außerdem waren wir schon dreimal Weltmeister und das reicht. Viel wichtiger ist, dass die Weltmeisterschaft ein großes Fest mit vielen Begegnungen und Freude war. Der Abgang der deutschen Elf nach dem Spiel um den 3. Platz war das Sahnehäubchen! Wie ich gehört habe, sangen die Fans: "Stuttgart ist viel schöner als Berlin..." Und Glückwunsch nach bella Italia.

Jetzt werde ich viel zu tun haben mit meinem eigentlich full-time Polnischkurs und Arbeitschreiben. Die Hitze macht’s nicht einfacher. C’est la vie!

Sunday, June 25, 2006

Brüssel

Mit dem Zug ging es am Montag von Münster aus nach Brüssel. Der hatte natürlich Verspätung, doch als ich in der Jugendherberge ankam, saß Birgit im Foyer. Birgit kennt Brüssel schon, ich war vorher noch nie da. Am ersten Abend machte ich Bekanntschaft mit der Stadt, sammelte erste Eindrücke. Am zweiten Tag stand Programm auf dem Plan: Birgit traf ihren Thesenbetreuer, der bei der Kommission arbeitet und unser Dozent in Wien war. Deshalb bin ich einfach mit zum Mittagessen und hab gleich mal ein paar Kritikpunkte zum Kurs angebracht. Am Spätnachmittag trafen Birgit und ich dann unseren anderen EU-Rechts-Lehrkörper, den polnischen, der uns seinen Arbeitsplatz zeigte. Wir konnten eines der tausenden Kommissionsgebäude von innen sehen, das der Generaldirektion ‚Wettbewerb’ in der Abteilung ‚Staatshilfe’ und in seinem Büro sitzen. Eigentlich sollte sein Boss uns was erzählen, der war aber plötzlich verhindert. Und nachdem unser Dozent uns ein wenig was erzählt hatte, setzte er uns ins Büro seines Kollegen, einem sehr netten Tschechen, der uns was über seine Arbeit erzählte. Rather random, das Treffen, aber ganz nett und interessant. Und dann kam die Überraschung: Unser netter junger Dozent machte einen kleinen Ausflug mit uns in seinem Privatauto, und zwar raus aus der Stadt in einen schönen Park zu einem Schloss, in dem jetzt das afrikanische Museum drin ist. Wir schlenderten also zu dritt durch den Park und den dazugehörigen Wald mit über 400 verschiedenen Baumarten, unterhielten uns über eigentlich eher Unwesentliches und fuhren dann guter Laune zurück in die Stadt. Warum er das machte, ist ein Rätsel. Er sagte, er wolle, dass wir noch einen anderen Endruck von Brüssel und Umgebung bekommen. Naja, das Leben ist voller Rätsel und wenn Eindrücke den Horizont erweitern, ist das auch gut.

Die Jugendherberge war gar nicht schlecht getroffen: Wir schliefen zwar im 10-Bett-Zimmer, allerdings nur mit geräuschlosen weiblichen Zeitgenossen, was es erträglich, ja sogar angenehm machte. In der Halle war eine Küche und eine Bar, wo ständig Leute waren, mit denen man leicht ins Gespräch kam. Überwiegend Amerikaner und Kanadier, die wochen- und monatelange Europareisen machen: sehr interessant.

Am folgenden Tag besuchten Birgit und ich das Europäische Parlament. Viel zu sehen gab es nicht, aber wir konnten einer Sitzung im großen Plenarsaal beiwohnen. Es war erschreckend, wie wenig Parlamentarier anwesend waren. Der Saal war fast leer. Schwänzen die alle? Wir nahmen einen Haufen Broschüren mit, damit die Rückfahrt auch ja nicht langweilig wird.

Nachdem ich doch Einiges der Stadt gesehen habe, kann ich mich nicht entscheiden, ob ich Brüssel mag oder nicht. Der Große Platz ist umwerfend, und auch andere Gebäude und Straßen sehr beeindruckend (wenn ich auch von der Größe des Manikin pis, das sehr klein ist, enttäuscht war). Es gibt prächtige Häuserreihen und irgendwie scheinen die Belgier von Plätzen besessen zu sein: sie haben so viele gebaut, wie nur möglich ist. Auch ist die Stadt sehr kosmopolitisch, was mich fast an London erinnert hat, besonders, wenn man die öffentlichen Verkehrsmittel benutzt. Auch die Zweisprachigkeit der Stadt mit dieser Selbstverständlichkeit ist bewundernswert, besonders nach der Situation, die ich in Bosnien-Herzegowina kennen gelernt habe.

Aber irgendwie konnte ich mich nicht richtig mit Brüssel anfreunden. Irgendwas hat mich gestört. Vielleicht, dass die Stadt etwas unbelebt schien (besonders im Vergleich zu Krakau). Man sieht nur Leute zur und von der Arbeit gehen, viele Menschen in Anzügen, aber irgendwie pulsiert das Leben dort nicht, außer vielleicht von Seiten der Touristen. Aber vielleicht bin ich einfach von Krakau verwöhnt.

Den letzten Tag schlenderte ich noch durch die Stadt, bevor ich mich gen Heimat aufmachte. Irgendwie mag mich die Deutsche Bahn nicht: Mein Zug wurde abgesagt, ich musste dreimal statt einmal umsteigen mit meinem schweren Koffer, und kam mit erheblicher Verspätung an, aber ich kam an. Ja, und jetzt sitze ich hier im schönen Schwabenland, bekomme Besuch von Familie, versuche zu arbeiten und schaue Fußball. Liebe Freunde, meldet euch bei mir, mein Handy mit meinen Nummern hab ich auf meiner Reise vergessen...

Danke für die Aufmerksamkeit und bis bald (einige zumindest)!

Friday, June 23, 2006

Semesterende

Die letzte Woche des Semesters ist vorbei – inzwischen schon ein Weilchen her. Außer Wolfgang, der schon seit einiger Zeit alles fertig hat, saßen wir andern drei in der letzten Zeit da und schrieben und schrieben. Das vorletzte Wochenende, das Birgit übrigens im heimatlichen Österreich verbracht hat, wurde von meiner Seite nur einen Abend als Ablenkungs- und Unterhaltungsquelle genutzt – nämlich am Freitag. Mit einigen Freunden sind wir in eine Karaoke-Bar, und haben uns dort das zweite Mal köstlich amüsiert – oder blamiert?

Mittlerweile füllt sich unser „Indeks“, das ist ein schönes kleines grünes Buch, das Krakauer Studierende besitzen, in das die Kurse und Noten eingetragen werden, und es wird immer ansehnlicher.

Am Tag unserer Abreise – letzten Montag – bewerkstelligten Birgit und ich noch eine mündliche Prüfung in Wirtschaft, und ich schickte meine Heim-Prüfung in EU-Recht nach Brüssel ab – eine große Erleichterung. Dann ging es ab gen Westen – für Birgit wieder ins österreichische Weinviertel, für mich nach Münster. Es waren ereignisreiche Tage, inklusive Fußballfieber mitten im Geschehen – beim Spiel Deutschland gegen Polen in Dortmund. Ja, ich war wirklich beim Fanfest, habe aber, auf Grund meiner unerheblichen Größe, nur einen oberen Streifen der Leinwand sehen können. Der Spielverlauf sickerte aber auch zu mir nach unten!

Man muss doch sagen, dass Deutschland sich sehr positiv präsentiert – ich kann das ja fast mit Augen einer Außenstehenden beurteilen. Für mich auch schön zu sehen ist die Menge an ausländischen Gästen, die scheinbar freundlich aufgenommen werden. Die Atmosphäre im Land und die Fußballbegeisterung hat sogar mich dazu bewogen, ein Hemdchen, das die Farben der germanischen Flagge schüchtern auf der Seite zeigt, zu tragen. Das habe ich noch nie vorher gemacht, da ich stets voller Kritik war und mich gegen jeglichen Nationalstolz gewehrt habe – aber diesmal konnte ich nicht umhin, was ja nicht bedeutet, dass meine Kritik dahin ist.

Nach traurigem Abschied ging es weiter in den Westen. Ein Reisebericht wird folgen. Danke für die Aufmerksamkeit.